markus-ostfeldMarkus "Marcito" Ostfeld ist ein junger aber extrem vielseitiger Drummer und Percussionist und als Endorser u.a. für Klanginitiative und Rohema Percussion unterwegs. Er ist ein Vollblutmusiker der für die Musik lebt, aber auch Business-Man der Kontakte pflegt, sein eigenes Studio aufbaut und fremdproduziert. Im Cajonmania Interview erzählt "Marcito" wie er all das unter einen Hut bringt.

Interview mit Markus "Marcito" Ostfeld

Crystal_Clear_app_kuser1.Cajonmania [CM]  Markus, in wenigen Worten: Wann hast du die Musik für dich entdeckt und vor allem die Percussion?
Bei wem hast du gelernt und wer hat dich inspiriert?

comment_48Markus Ostfeld [MO]: Die Musik begleitet mich seit meiner frühesten Kindheit. Mein Vater spielt seit über 35 Jahren Bass in einer Coverband und ich war bereits als Kleinkind bei vielen seiner Konzerte. Es gibt da sogar noch Fotos, wie ich mit einer Spielzeuggitarre mit auf der Bühne stand.  ;-) Allerdings war die Gitarre nie wirklich eine Option. Laut meinen Eltern bin ich nach einem Gig immer heimlich zum Schlagzeug geschlichen, um mich daran auszutoben. Die logische Konsequenz konnte also nur sein, mir dann zu Weihnachten ein Kinderset zu schenken.

Dann habe ich erst einmal einige Jahre autodidaktisch Schlagzeug gelernt. Dabei verbrachte ich die meiste Zeit damit, meine Lieblings CDs rauf und runter mitzuspielen. Teilweise habe ich da bis zu 8 Stunden im Proberaum gehockt und z.B. zu TOTO Alben getrommelt. Erst nach der Jahrtausendwende ging ich dann ans Drummers Institute
Düsseldorf, um dort bei erstklassigen Lehrern wie Eric Harings, Douglas Sides, Andy Gillmann, Manni von Bohr oder Martin Hesselbach neuen Input zu bekommen.
Martin Hesselbach war es auch, bei dem ich meine ersten ernsthaften Erfahrungen an den Congas gesammelt habe. Seit der ersten Stunde, habe ich mich in dieses Instrument verliebt. Als ich am Drummers Institute fertig war, nahm ich ein Jahr lang intensiven Latin Percussion Unterricht bei Martin, spielte mit ihm in einer Batá Gruppe Toques der Santeria und bekam bereits die ersten Percussion Jobs, in einer Salsa Band und bei dem TV Koch und Sänger Nelson Müller, mit dem ich einige Zeit lang unterwegs war. 2008 ging es dann nach Havana (Cuba), wo u.a. bei Ruy-López Nússa studierte und mit der von mir dort gegründeten Band "Marcito's Banda Malecón" einige Konzerte spielen durfte. Es folgten Masterclasses und Workshops bei u.a. Giovanni Hidalgo und Raul Rekow, die beide zu meinen absoluten Lieblingspercussionisten gehören.

Crystal_Clear_app_kuser2.CM: Wie bist du auf Cajones gekommen?


Klanginitiative Cube Kitcomment_48[MO] Bevor ich mich auf die Percussion spezialisiert habe, gab es immer mal Gelegenheiten, bei denen ich ein paar Schlagzeug Grooves auf der Cajon gespielt habe. Meist bei irgendwelchen Unplugged Sessions oder so. Erst als ich mich dann intensiv mit der cubanischen Musik auseinander gesetzt habe, tauchte die Cajon dort wieder als traditionelles Instrument in der Rumba Cubana auf. Das hat mich natürlich brennend interessiert und zu der Zeit begann auch der endgültige Boom was die Cajones in Deutschland anging.

Ich habe mir zu Beginn erstmal eine Einsteiger Cajon von Meinl gekauft, später eine von Sonor. Als ich mich dann aber immer mehr mit der Materie vertraut gemacht hatte, brauchte ich dringend neue Instrumente aus dem Profi Segment. Auf der Musikmesse Frankfurt begann ich dann eine große Testaktion und spielte so ziemlich jede Cajon auf dem Gelände an. Dabei ergab sich dann ein sehr nettes Gespräch mit Markus Meyer von Klanginitiative. Seine Cajones hatten mir ausgesprochen gut gefallen und eine Zusammenarbeit war wohl auch für ihn ganz interessant. So bekam ich ein paar Wochen später meine erste Klanginitiative Cajon und arbeite seitdem intensiv als Endorser mit der Firma zusammen.

Crystal_Clear_app_kuser3.CM: Du hast ja maßgeblich den ersten CMS Drumday mitorganisiert und gestaltet. Wie kam es zu der Idee?
Wirds bald mehr von dir in dieser oder anderer Form geben? Ein Lehrwerk oder anderes Projekt?

comment_48[MO] Die Idee zum 1. CMS Drumday entstand bei einem gemütlichen Kaffee mit den beiden Jürgens von CMS MUSIC EQUIPMENT Duisburg. Wir arbeiteten schon seit einiger Zeit auf verschiedenen Gebieten zusammen und Jürgen Jr. begleitete mich als Drum Tech zu dem einen oder anderen Drum Festival. An diesem Morgen beschwerten wir uns darüber, dass es bei uns im Ruhrpott noch keine solche Veranstaltung gibt. Da kam mir spontan die Idee, ein eigenes Festival zu organisieren. Die Jungs und Mädels von CMS fanden die Idee gut und hatten zufällig auch die passende Location parat. Am gleichen Tag begannen wir mit der Planung für die Erstausgabe Anfang 2010.

Nachdem wir diese nun mit großem Erfolg hinter uns gebracht haben, haben wir nun bereits mit der Vorbereitung für Februar 2011 begonnen. Da wird es einen 2. CMS Drumday geben. Mehr wird aber noch nicht verraten. ;-)

Ansonsten habe ich ja einige Zeit lang den "Cajon Groove der Woche" auf Youtube veröffentlicht und dafür eine überaus positive Resonanz bekommen. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an alle Interessenten! Eine weitere Online Staffel des Cajon Grooves der Woche wird es zwar erstmal nicht geben, jedoch ist eine DVD in Zusammenarbeit mit Klanginitiative in Planung. Außerdem stehen Video Aufnahmen zum Thema Congas, zusammen mit Reiche Trommelbau an. Wie diese dann veröffentlicht werden, ist allerdings noch nicht endgültig überlegt. Für die Firma Rohema filme ich zur Zeit kurze Produktvorstellungen für deren Homepage.
Ich habe noch viele andere Pläne bezüglich Lehrwerken und Co. jedoch fehlt im Moment einfach die Zeit dazu. Ich bin sehr viel live unterwegs und werde im Herbst auch wieder auf Workshop Tour gehen. Dabei stelle ich dann exklusiv die neue Klanginitiative Produktpalette vor inkl. einer Spezialanfertigung des Cube Kits.
Marcito beim CMS Drumday Musikmesse 2009: Markus bei Klanginitiative
Markus auf dem CMS Drumday Stand von Klanginitiative 2009


Crystal_Clear_app_kuser4.CM: Wie beurteilst du die Entwicklungen der Cajon in Deutschland und weltweit? Okay, dass es so viele Formen und Experimente gibt oder bist du eher für das traditionelle Instrument?

comment_48[MO] Ich freue mich sehr über die Entwicklung und Verbreitung der Cajon in Deutschland und natürlich auch darüber hinaus. Vielleicht ist nicht jedes neue Modell unbedingt sinnvoll gestaltet, aber solange die Branche immer wieder mit neuen Ideen kommt, bricht auch die Popularität dieses wunderschönen Instrumentes nicht ab. Meine liebste Weiterentwicklung im Bereich Cajones sind die eingebauten Mikros oder sogar Tonabnehmer. Wenn man viel auf Tour ist, machen sie sowohl dem Künstler als auch dem Tontech das Leben deutlich leichter. Da gibt es kaum noch fiese Rückkopplungen und Soundchecks sind schnell abgehakt.

Da fällt mir eine lustige Story ein: 2009 habe ich zum zweiten mal auf den Ludwigsburger Trommeltagen spielen dürfen und dort natürlich auch meine Cajon mit interner Grenzfläche dabei gehabt. Während ich meinen Kram aufbaute war Mike Terrana mit seinem riesigen Drumset gerade dabei den Sound zu checken. Direkt danach war ich dran. Erst die Congas, Timbales usw. und dann die Cajon. Der Techniker kam anschließend zu mir und war total begeistert: Er meinte, meine Cajon würde draußen "fetter und druckvoller" als das Drumset von Mike klingen. Das war mal ne Aussage ;-) Grundsätzlich mag ich aber am liebsten die traditionellen cubanischen Rumba Cajones, sowie die heutigen Standard Modelle.

Crystal_Clear_app_kuser5.CM: Ein Musiker kann ja heutzutage leider nicht nur Musik machen. Welche anderen wichtigen Aufgaben und Bereiche beschäftigen dich täglich um Engagements, Konzerttermine, etc zu organisieren?

comment_48[MO] Das wichtigste Kriterium, um als Musiker bestehen zu können ist neben dem musikalischen Können die Kontaktpflege. Ohne Kontakte geht nichts! Da verbringt man schonmal einen halben Tag nur am Telefon, bei MySpace oder schreibt  eMails an die lieben Kollegen, Veranstalter, Musikgeschäfte, etc. Mit das aufwändigste ist dabei wahrscheinlich die Planung einer Workshop Tournee. Die einzelnen Locations einfach nur zu booken ist eine Sache, so eine mehrwöchige Tour dann auch noch in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen die andere und noch mal deutlich kompliziertere.

Keiner will von München nach Hamburg und wieder zurück nach Stuttgart fahren..... ;-) Um neue Musiker kennen zu lernen, Kontakte zu pflegen oder Gig Angebote zu bekommen, zählt aber nach wie vor: Spielen, spielen, spielen! Lass dich auf so vielen Sessions wie nur eben möglich blicken, spiel ein paar Nummern mit, komm mit den anderen ins Gespräch und ergänze dein Telefonbuch. Das bringt dir die meisten Kontakte und die Leute sehen direkt, ob du spielen kannst oder nicht. Am Telefon oder in einer eMail kann man viel behaupten, aber live vor Ort präsentiert man sich mit dem was man wirklich kann und lernt auch die Kollegen auf diese ehrliche Weise kennen. Außerdem bin ich Musiker, weil ich Musik machen will! Am besten 24 Stunden am Tag! Also ist es doch selbstverständlich, jede sich bietende Möglichkeit dafür zu nutzen.

Abgesehen von Live- und Studio Jobs als "aktiver Musiker" unterrichte ich aber auch noch ein paar Tage die Woche und betreibe mein eigenes kleines Projektstudio, in dem ich immer wieder diverse fremde- und Eigenprojekte aufnehme und produziere. Diesbezüglich habe ich mich auch mit einem einjährigen Studium bei Hofa fortgebildet.

Crystal_Clear_app_kuser6.CM: Hast du ein paar coole Tipps für Cajon-Anfänger?
Worauf sollten diese beim Cajon spielen achten?

comment_48[MO] Natürlich kann man mit einer Cajon einfach nur Spaß am Lagerfeuer haben. Aber wer mehr aus diesem Instrument heraus holen möchte sollte besonders am Anfang auf die richtige Technik und logische Handsätze achten. Am besten erlernt man das immer noch durch Unterricht oder das Besuchen von Workshops. Auch sollte man sich nicht die billigste Cajon kaufen, damit wird man nicht lange Spaß haben.  Ab ca. 100 Euro bekommt man aber schon sehr brauchbare Instrumente und glaubt mir, sie sind es Wert!

Crystal_Clear_app_kuser7.CM: Wie klingt für dich das "perfekte Cajon"?
Welche Eigenschaften muss es mitbringen?

comment_48[MO] Die "perfekte" Cajon gibt es - glaube ich - nicht. Es kommt immer darauf an, wofür du es einsetzen möchtest. Wenn ich Drum Grooves spielen möchte brauche ich knackige Snare Sounds und fette Bässe. Letztere mit möglichst wenig Snare Anteilen.

Lieben gelernt habe ich da auch diese kleinen extra Kammern, die in den Klanginitative Cajones verbaut sind. Damit lassen sich Conga oder Bongo ähnliche Töne erzeugen und der klassische Drum Groove quasi mit Percussion Einwürfen erweitern.
Wenn ich Ausflüge in die Flamenco Szene mache, suche ich einen eher ausgewogenen Sound. Der Übergang von Snare zu Bass Sounds sollte fließend sein und durchgehend sehr hell und obertonreich im Klang sein. Da braucht es auch nicht diese ausgeprägten Bässe.

Für traditionelle cubanische Rumba brauche ich Cajones ohne Snare oder Saiten. Die Salidor ganz normal zum "drauf sitzen", Tres Golpes und Quinto eher zum "zwischen die Beine klemmen", in Conga ähnlicher Bauform. Bei allen dreien kommt es vor allen auf einen sauberen Ton und natürlich den tonalen Abstand an. Sehr gerne jeweils eine Quinte Abstand. Es kommt also immer ganz auf das Einsatzgebiet an, welche Cajon ich bevorzuge.

Agora Stage 2009 Crystal_Clear_app_kuser8.CM: Frei raus: Welche Cajon Anbieter sind cool?
Mit welchen Kisten spielst du bei deinen Auftritten?

comment_48[MO] Am besten gefallen mir natürlich die Instrumente von Klanginitiative, sonst würde ich auch nicht so intensiv mit denen zusammen arbeiten. Ich liebe meine Signature "Elitaer" in British Racing Green in der Studio Version mit eingebauter Grenzfläche. Aber auch die Popular mit ihren zwei Schlagflächen (mit und ohne Snare) setze ich sehr gerne ein. Und natürlich das Cube Kit, die perfekte Kombination aus Cajon und Schlagzeug. Das Set klingt sehr ausgewogen und kommt immer wieder bei größeren Unplugged Gigs zum Einsatz. Aber auch auf der Agora Stage der Musikmesse Frankfurt habe ich es schon voll mikrofoniert gespielt. Das Teil hatte einen wahnsinnig großen Sound!

Ich habe aber auch großen Respekt vor der Arbeit vieler anderer Cajon Hersteller, seien es Valter, Duende, Pepote, Schlagwerk oder oder.... die machen alle einen guten Job!

Crystal_Clear_app_kuser9.CM: Ergänzt du das Cajon im Set auch mit anderen Instrumenten?


comment_48[MO] Ja, das mache ich sehr gerne, wie du ja von den "Cajon Grooves der Woche" schon weißt. Ich experimentiere immer wieder mit neuen Kombinationen. Eine Hihat oder einen Shaker mit dazu zu nehmen ist ja fast schon selbstverständlich. Interessant finde ich aber auch diverse Fußpedale mit Schellenkränzen oder gedämpften Cowbells, Darajones, Darboukas, Bongó, Caxixis, usw. Die Liste ist nahezu unendlich. Je nach Kombination fordert es eine ganz interessante Unabhängigkeit und bietet viele tolle Groove Möglichkeiten.

Crystal_Clear_app_kuser10. CM: Wenn du einen Wunsch frei hättest in Punkto Cajon:
Gibts da etwas, dass dir schon immer fehlt oder das du gern hättest?


comment_48[MO] Ich bin immer noch auf der Suche nach den perfekten Rumba Cajones.
Ich arbeite aber auch schon fleißig mit Markus Meyer daran eben diese Lücke zu schließen ;-)

Crystal_Clear_app_kuser11. CM: Markus: Lieben Dank für dieses ausführliche und offene Interview.
Hast du zum Abschluss noch eine Meinung bzw ein Statement zu Cajonmania?


comment_48[MO] Nichts zu danken!
Ich danke dir für diese tolle informative und immer wieder hoch interessante Seite zum Thema Cajon. Die Cajon ist eines der vielseitigsten und interessantesten Instrumente der Welt!

Super, dass Cajonmania einen guten Teil dazu beiträgt, die Cajon noch populärer zu machen.
Die Seiten sind informativ, lehrreich und immer auf dem neusten Stand. Weiter so!


chardevicemehr Informationen zu Markus "Marcito" Ostfeld findest du auf seiner Webseite cajonist.de

Markus Ostfeld auf YouTube | CMS Drumday - jährliches Festival | Cajon Workshop mit Markus bei CMSME

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