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Berichte & Interviews
Seit den 90igern ist Martin Röttger auf Cajon umgesattelt und zählte zu den ersten, die das Cajon außerhalb des Flamenco einsetzten und zur populären Groove-Kiste machten. Drei Lehrbücher und viele, viele Konzerte später erzählt Martin, wie er zum Cajon spielen kam und warum es kein Schlagzeug-Ersatz ist ...
Interview mit Martin Röttger
1.Cajonmania [CM] In wenigen Worten: Martin, für die Cajon-Szene in Deutschland bist du mit ganz wenigen so etwas wie eine "Galleonsfigur". Du warst einer der ersten, die das Cajon für sich und die Band entdeckt haben, hast sehr früh Lehrwerke dazu veröffentlicht, warst im Hamburger TV zu sehen, bist in Workshops, Clinics, Konzerten, auf Messen. Wie hat das alles überhaupt angefangen?
Martin Röttger [MR]: Eigentlich suchte ich schon immer eine Lösung für Konzerte, wo ein Schlagzeug zu groß war. So kam ich dann per Zufall Mitte der 90 Jahre zum Cajon. Zu dem Zeitpunkt spielte ich eh schon mit einigen Bands nur noch mit einer Snare und Besen. Als ich dann bei einem Soundcheck ein Cajon hörte, dachte ich: "Das ist die Lösung!".
Das mich dieses Instrument dann dahin bringen würde wo ich heute bin, hätte ich nie gedacht. Schnell bekam ich Kontakt zu vielen Musikern, die mit mir spielen wollten, oder wohl eher mit mir und der komischen Kiste. Da ich nun auch kein Flamenco spielte, hatte ich auch kaum Konkurrenz. Auf zuraten einiger Musiker und Hersteller schrieb ich dann um 2002 mein erstes Lehbuch: "Cajon Styles for Drummers", was demnächst in einer neuen Version erscheinen wird. Schnell kamen dann auch Buch Nummer 2 und 3 dazu. Es ist wohl wie mit CD´s, fängt man damit an hört man auch eigentlich nicht wieder damit auf. Durch die Kombination von vielen Live Gigs, Workshops und die über 10 jährige Zusammenarbeit mit der Firma Schlagwerk hat mich dann vielleicht zu in der Frage gestellten Gallionsfigur gemacht.Eigentlich war das nicht mein Plan, da ich in erster Linie Musiker bin und die Cajon auf diesem Weg ein Teil von mir geworden ist.
2. CM:Du kommst ja eigentlich vom Schlagzeug und hast dich dann regelrecht auf Cajon spezialisiert. Warum? Bietet dir ein Drumset nicht wesentlich mehr Möglichkeiten?
[MR] Na ja, das kann man so oder so sehen. Es ist zum einem so, dass ich ja noch viel Schlagzeug spiele und zum anderen, dass die Cajon ja eigentlich nicht so ein unplugged Drum Set ist. Auch wenn ich in der Vergangenheit wohl einer der stärksten Vertreter dieser Idee war, sehe ich es heute völlig anders. Die Cajon ist ein eigenständiges Instrument, jenseits von der Idee es als Mini Drums zu verkaufen um es Schlagzeugen schmackhaft zu machen. Ich sehe heute die Eigenständigkeit der Cajon im Vordergrund. Dies wird auch bei meinen Workshops immer deutlicher, da immer mehr Leute kommen, die echte Cajon SpielerInen sind. Soll heißen, diese Menschen spielen als Instrument nur Cajon.
3.CM: In welchen Musikrichtungen fühlst du dich heimisch?
Wofür sind Cajones klanglich deiner Meinung nach prädestiniert?
[MR] Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: Ich fühle mich dort heimisch wo die Musik gut ist. Gute Musik ist die Musik die mich emotional erreiccht. Die Cajon passt wohl überall rein, wo die Sounds nicht zu elektronisch sind. Ich denke, da ist nur noch das gute alte Drum Set besser. Wobei auch dies wohl eine Hörgewohnheit ist.
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| Martin Röttger bei Just Music in Hamburg |
Martin Röttger Pressefoto |
Wie bringst du all die verschiedenen Sachen unter einen Hut?
[MR] Naja, ich mache halt einfach. Manchmal wache ich morgens auf und habe eine Idee, dann versuche ich sie umzusetzen. Im Moment habe ich die Idee mehr an Küsten zu spielen und habe ein neues Duo gegründet.Vielleicht gibt es auch nächstes Jahr ein neues Lehrbuch? Mal schauen.
5.CM: Glaubst du, es wird einmal eine elektronische Form eines Cajon geben?
[MR] Das gibt es schon. Klingt aber bescheiden.
Stell Dir einfach eine E-Gitarre vor die klingen will wie eine akustische Gitarre.
6.CM: Nicht nur das Instrument selbst, auch die Spieltechniken sind inzwischen extrem variantenreich:
Hand-to-Hand, Split-Hand, Darbuka- und andere Fingertechniken.
Bildest du dich selbst fort oder versaut einem das unter Umständen den etablierten Stil?
[MR] Naja, das ist so eine Sache. Natürlich beschäftige ich mich mit all diesen neuen Anwendungen für die Cajon. Zugegeben in Punkto Geschwindigkeit gibt es heute etliche Michael Schuhmacher unter den Cajonspielern. Mich interessiert jedoch mehr, ob ein Cajonspieler groovt und wie er in einer Band spielt. Da habe ich auch immer meinen Fokus drauf gelegt. Wie sagte doch mal ein Musikerfreund zu diesem Thema: "Schneller, lauter, einsam!". Ich denke, das bringt es auf den Punkt. Trotzdem nutze ich diese Techniken schon, jedoch nicht um zu zeigen wie schnell man spielen kann.
7.CM: Was meinst du ist mit einem Cajon einfach schlecht zu machen oder umzusetzen?
Wo liegen die Grenzen?
[MR] Die Grenzen liegen sicherlich in erster Linie beim Spieler. Meine Grenze hatte ich ja indirekt vorher schon erwähnt. Als ich versuchte mit der Cajon zu klingen wie mit einem Drum Set war die Grenze schnell erreicht. Heute weiß ich, wenn ich Schlagzeug haben will, spiele ich es und versuche nicht, es mit einem anderen Instrument zu kopieren. Die Idee ist ja auch eh etwas komisch: Warum etwas klanglich versuchen, was es schon gibt? Besser etwas aus der Cajon holen was ein Drum Set nicht bietet.
8.CM: Da du auch Workshops und Clinics gibst:
Hast du ein paar gute Tipps für alle, die Cajon spielen lernen wollen?
[MR] Üben. Am besten zu Musik spielen.
Weniger ist am Anfang mehr, soll heißen: Versuche mit wenig Schlägen den Groove zu erfassen.
9.CM: Auf der Bühne spielst du meist mit einem eher reduzierten Set.
Womit ergänzt du deine Cajones bei Auftritten?
[MR] Das kommt ganz darauf an, was ich mache. Sobald es vom Klang rockig wird nehme ich gerne mal eine Snare, Hihat und Stumpbox dazu. Das gibt mir die Möglichkeit wie ein Drummer zu spielen. Bei anderen - eher akutischen Projekten - spiele ich eigentlich nur Cajon mit Heck Stick und Side Kick. Einen Shaker habe ich eigentlich immer dabei. Ach ja: und das Waschbrett habe ich noch vergessen.
10.CM: Bist du aktuell an Projekten, etc dran,
die ein Cajonfan in jedem Fall nicht verpassen sollte?
[MR] Da würde ich einfach mal einen regelmäßige Blick meine Website empfehlen: www.martinroettger.de
12. CM: Martin: Ich danke dir für das Interview und deine Offenheit.
Welche Meinung hast du zum Abschluss noch zu Cajonmania übrig?
[MR] Cajons haben mein Leben verändert.
Cajonmania ist eine gute Sache und hilft Cajon Interessierten viel weiter.
Video: Martin Röttger auf Schlagwerk Cajon
mehr Informationen zu Martin Röttger findest du auf seiner Webseite www.martinroettger.de
www.bluesculture.com | www.beachmusic.de | www.schlagwerk.de
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