Portrait Axel SchülerAxel Schüler ist vielseitiger Kreativer der nicht nur von Autos und Cajon etwas versteht. Der Multi-Percussionist und 3-fache Vater kreiert und arrangiert eigene Musikstücke, tritt mit zahlreichen Formationen auf, ist Lehrer, Dozent und so einiges mehr, über das er im Cajonmania Interview spricht...

Interview mit Axel Schüler

Crystal_Clear_app_kuser1.Cajonmania [CM] Axel, du bist schon länger als Percussionist unterwegs. Wie kam es dazu und was fasziniert dich daran?

comment_48Axel Schüler [AS]: Lange Geschichte... ich bin ja eigentlich Schlagzeuger und hab auch Schlagzeug studiert, obwohl ich seit meinem sechzehnten Lebensjahr schon Percussion „nebenbei“ spiele. Das entstand in der Lehre, wo in unserem Betrieb Austauschstudenten aus Sambia lernten.

Die haben schnell mitbekommen, dass sich nicht alle Kfz Schlosser-Lehrlinge nur für Autos interessieren, sondern einer von denen auch für ihre Musik. So haben wir uns dann mal zum Jammen getroffen. Ich war sofort fasziniert und wollte das unbedingt können. So entstand ein Deal: ich zeigte Ihnen was am Schlagzeug und sie mir auf einer scheußlichen DDR Conga, mehr hatten wir damals nicht, es gab einfach im Osten nichts Anderes. Aber es hat riesigen Spaß gemacht und seitdem habe ich immer „nebenbei“ Percussion gespielt. Mich haben damals schon diese fließenden, etwas polyrhythmischen Grooves der afrikanischen Musik in ihren Bann gezogen, zumindest den kleinen Teil, den ich damals kennenlernen konnte. Richtig Ernst wurde es dann, als nach der Wende so viele Einflüsse und Musik zugänglich wurden.

Crystal_Clear_app_kuser2. CM: Als Multi-Percussionist bist du in diversen Musikstilen sicher. Gibt es aber Grooves und Musikrichtungen, die du ganz besonders magst?

comment_48[AS] Afro-kubanische Musik und Latin Jazz, das ist wohl am Ehesten so mein Ding. Aber ich mag viel unterschiedliche Musik, von traditioneller Percussionfolklore im weitesten Sinne bis gut gemachten Pop, ich bin nicht so ein Purist.

 

Crystal_Clear_app_kuser3.CM: Speziell zum Cajon: Wo liegen deiner Meinung nach die Vorzüge des Instrumentes? Wie nutzt du es im Set auf Konzerten?

comment_48[AS] Es ist kompakt, leicht, man sitzt auf seinem Instrument und es ist vielseitig verwendbar. Das ist für mich das Faszinierende daran.

Ich habe es durch die Percussionfolklore in Kuba, wo ich ja mehrmals hingepilgert bin, kennengelernt. Und die bauen die verrücktesten Dinger: Conga-artige viereckige sind für die Solisten und Mittleren Parts in der Rumba üblich. Dann findet man noch kleine Cajintos zwischen den Knien oder an ein stehendes kubanisches Cajon noch ein kleineres Konisches rangenagelt. Und dann alle Arten von Basscajones auf denen man sitzt und die die unterschiedlichsten Formen haben.

Manche erinnern ein bisschen an die Peruanischen, sie sind aber meist fetter und länger. Da wird dann am Rand oder auf einem Seitenteil mit dem Löffel gespielt und eine Hand liefert die Bässe. Oder sie kombinieren Cajones mit Congas und Batas – das finde ich besonders interessant. In so einer Besetzung der kubanischen Rumba, die ich hier meine, wird der Sound der Band trockener und transparenter. Dieses Trockene, etwas Bissige der Cajones mag ich sehr und es lässt auch einfach mehr „Melodie“ der Congas oder Batas durch. Auf diese Art setze ich sie auch am Meisten ein: ich spiele gern das Congacajon in Verbindung mit Congas und in den Füßen dann rechts eine kleine Bassdrum, links die Clave oder Hi Hat. Und das macht einen dann in Verbindung mit Shakern und einem Ridebecken sehr variantenreich und farbig.

Manchmal spiele ich in akustischen kleinen Besetzungen (z.B. nur mit Gitarre und Saxophon) „nur“ das Peruanische und vor mir dann Bongos und diverse Shaker und Bells. Das geht besonders gut für brasilianische Musikstile.

Portraitbild Axel Schüler
Axel Schüler
Axel Schüler mit Cajon
Axel Schüler

Crystal_Clear_app_kuser4.CM: Welche Instrumente spielst du noch? Auf welchem ganz besonders gern?


comment_48[AS] Im Laufe der Jahre kommt ein Haufen zusammen. Am Liebsten mag ich Congas und Bongos, aber ich kombiniere auch sehr gern mein Drumset mit Percussioninstrumenten aller Art, spiele mal Shaker, mal Hip Hop Grooves auf der Djembe, verschiedene Bells und Timbales. Mit der linken Hand Conga und rechts dann mit Sticks das Set. So habe ich im Laufe der Jahre an den Drums eine ganze Menge integriert. Aber auch unabhängig vom Set kommt noch einiges hinzu: Djemben, alle möglichen Bauarten von Cajones, Batas, Klangbausteine (so eine Art Bassmarimba) Schlitztrommel, ein wenig Pandeiro, ein Haufen verschiedener Shaker und Kleinpercussion.

Crystal_Clear_app_kuser5.CM: Nicht nur das Instrument selbst, auch die Spieltechniken sind inzwischen extrem variantenreich: Hand-to-Hand, Split-Hand, Darbuka- und andere Fingertechniken. Bildest du dich selbst fort oder versaut einem das unter Umständen den etablierten Stil?


comment_48[AS] Ich habe da so meine eigene Technik entwickelt. Für die Grundsounds nehme ich natürlich die traditionelle Spielweise. Aber die Splittechnik ersetze ich z.B. durch die Conga-Floating Hand-Technik und spiele rechts außen auf dem Seitenteil die schnellen durchlaufenden Sechzehntel damit. Links die Bässe und Töne oder Slaps. Das geht gut für alle möglichen Funk- oder Hip Hop Grooves. Ich bin also eher Conga-„versaut“ als dass mich Fortbildung versauen könnte. Manchmal nutze ich auch Finger Rolls- aber das geht für meinen Geschmack nur in leisen Besetzungen gut.

Ich lerne auch gern dazu, finde es sehr anregend andere gute Cajonspieler zu hören und zu sehen. Wenn ich mal mehr Zeit zum Üben hätte fände ich die Verbindung von Splithand-Technik mit dem Jinglestick, wie es z.B Conny Sommer macht, sehr reizvoll.


Crystal_Clear_app_kuser6.CM: Neben deinen Konzerten gibst du auch Unterricht und Workshops. Wie bringst du alles unter einen Hut und was macht dir an der Arbeit als Musiker am meisten Spaß? Wo liegen die besonderen Herausforderungen?

comment_48[AS] Das alles unter einen Hut zu bringen... Ich spiele vor allem im Sommer relativ viel mit „tumba ito“, meiner Latin Band, und wir haben uns gerade viel Zeit genommen unsere neue CD aufzunehmen. Dort konnte ich mich in Punkto Vielseitigkeit wirklich austoben. Wir schrieben nur Eigenes für diese Scheibe und mixten unsere Songs mit den Einflüssen vieler Latin-Stile. Da kamen plötzlich in 14 Titeln 20 Percussion-Instrumente zusammen die ich arrangiert und eingespielt habe. Das macht natürlich großen Spaß.

Dann unterrichte ich und gebe auch viele Workshops, was mir (zum Glück) ebenso viel Spaß macht. Also ist es für mich der Mix aus spielen und Unterricht geben. Zum Beispiel der Job an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, wo ich ebenfalls unterrichte: Percussion im Hauptfach und auch Schlagzeuger im Nebenfach "Latin Drum Set". In den letzten Jahren hat sich das Niveau dort krass nach oben entwickelt, neben dem großen Spaß muss man also auch gut vorbereitet sein. Dann will man als Musiker gleichzeitig Üben und sich selber weiter entwickeln, man möchte gern Zeit haben ein neues Projekt zu entwickeln....Da schleicht sich mitunter das Gefühl ein, der Tag sollte 36 Stunden haben.

Crystal_Clear_app_kuser7.CM: Gibt es Projekte an denen du derzeit arbeitest, die für Cajonfans interessant sind?


comment_48[AS] Workshops zu kubanischer Rumba und afro-kubanischen Stilen mit Cajones in der „TonSchmiedeWalde“. Die aktuellen Workshop-Termine findet ihr übrigens auf meiner Seite www.axelitopercussion.de oder bei Cajonmania im Workshop-Kalender.

Wer da als kleine Anregung mal wissen will, worum es geht: Auf You Tube gibt’s einen Schnipsel aus meinem Lehrbuch mit DVD für afro-kubanische Percussion. Im Buch geht es um typische Percussion Instrumente wie Congas, Bongos, Timbales und Kleinpercussion. Deshalb war für die herrlichen, eher exotischen Stile mit Cajones leider kein Platz mehr. Es hat schon so 270 Seiten, das hätte also den Rahmen deutlich gesprengt. Aber umso lieber widme ich mich dann bei den Workshops diesem Thema.

Dann mache ich natürlich noch Workshops und Lehrerfortbildungen außerhalb der „TonSchmiedeWalde“, wo es z.B. um die Anwendung des Cajons in großen Gruppen für z.B. Schul- und klassenähnlichen Situationen und mit „Cajonlaien“ geht. Da beschäftige ich mich mit dem Aufsplitten von drum-grooves auf mehre Cajones mit relativ simplen Mitteln, um mit einer großen Anzahl von Spielern zu einem hörbaren Erfolg zu kommen, der Spaß am rhythmusmachen vermittelt und Interesse am Cajonspielen und Percussion allgemein weckt.

Crystal_Clear_app_kuser8.CM: Was verbirgt sich genau hinter der erwähnten „TonSchmiedeWalde“ ?


comment_48[AS] Ich habe einen alten Landgasthof gekauft mit einem herrlichen kleinen Saal, wo man ungestört in schönster Landschaft Workshops machen kann. Dort veranstalte ich 1x im Monat Workshops und baue eine Workshopserie auf, die sich immer themenbezogen durch verschiedene Percussionstile und Instrumente hangelt. Das Konzept besteht zum einen aus Einzelworkshops zu speziellen Themen, die meiner Arbeit und Erfahrung entsprechen. Zum anderen aus Workshops mit einem 2. Gastdozenten, der Freak auf einem anderen Gebiet ist und wir vernetzen dann das Thema. Da waren z.B. schon Conny Sommer und Martin Verdonk zu Gast und im November freue ich mich auf Oli Rubow!

Crystal_Clear_app_kuser9.CM: Wenn du einem Spiel-Anfänger zwei, drei Tipps zum Cajon spielen geben sollst, welche wären das?


comment_48[AS] 1) Also ich habe von Cajon-Profis, vor allem von Conny, gelernt, dass die Haltung und die „Effizienz der Wege“ für gute Sounds extrem hilfreich und wichtig ist. Damit meine ich z.B. ab wann ein Bass schon klingt auf dem Weg zur Cajonmitte (und weiter runter muss man nicht!) Ich sehe aber so viele den Bass bis z.T. unter die Mitte schlagen und sich somit auch zu weit nach vorne beugen.

2) Auch wenn das Temperament verständlicherweise mal durchgeht: das Instrument klingt auf keinen Fall besser oder lauter wenn man zu stark draufschlägt.

3) Trotz aller wirklich tollen Cajon-Schulen die es aktuell gibt: nehmt Euch einen guten Lehrer! Der ist eben für die vielen Details und Tipps nicht durch Lehrmaterial und Selbstkontrolle ersetzbar.

Crystal_Clear_app_kuser10.CM: Wie wird sich deiner Meinung nach das Cajon weiterentwickeln?
Kommen immer mehr Bauformen und -Variationen oder gar das e-Cajon?

comment_48[AS] Auf jeden Fall! Es gibt ja jetzt schon so viel Kreatives: neue Formen, immer neue Materialien und Holzarten sowie Schlagflächen. Die Klangpalette hat sich so enorm erweitert, da ist noch lange nicht Schluss. Zum E-Cajon: da wird es bestimmt in Zukunft viel geben. Ich sehe das ähnlich wie bei E-Drums: Es ist eben was Anderes, wenn es reizvoll werden soll. Also was "soundlich programmierbar Eigenständiges" .Es wird aber ein gutes akustisches Instrument nie ersetzen oder gar ablösen.


Crystal_Clear_app_kuser
11. CM:
Du hast einen Wunsch frei, der dir erfüllt wird: Welcher wäre das?


comment_48[AS] Eine vierteljährige Studienreise durch die Karibik und Brasilien. Ich such nur leider noch den Gönner, der mir das mit allem Drum und Dran ermöglicht. Schließlich müssen ja neben der Reise, den vielen Flügen und dem Unterricht zu Hause drei Kinder weiterversorgt und betreut werden.

Crystal_Clear_app_kuser

12. CM: Danke für das Interview, Axel. Was sagst du zum Abschluss über Cajonmania?


comment_48Cajonmania ist eine super Plattform! Nicht nur für Cajonspieler, da ja viele Percussionisten hier durch das Cajon gemeinsame Berührungspunkte finden.

 


chardevicemehr Informationen zu Axel Schüler findest du auf seiner Webseite

www.axelitopercussion.de | www.tumba-ito.de | www.hmt-leipzig.de