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Musikmesse 2011
Rekord: 11.000 Besucher kamen nach Frankfurt und informierten sich über die Neuheiten zur Musikmesse. Gerade für Cajon- und Percussion-Fans gab es davon mehr als in den Jahren zuvor. So wundert es nicht, dass die Stimmung insgesamt recht gelöst war. Der Markt wächst, das Angebot wird breiter. Umso wichtiger ist da Orientierung für Händler und Käufer, denn einiges entpuppte sich auf der Messe doch als herbe Enttäuschung.
Generell vermeldete die Messeleitung für die Frankfurter Musikmesse 2009 weniger Aussteller als im Vorjahr, verbuchte aber im Gegenzug einen neuen Besucherrekord. Für Cajon- und Percussion-Fans stellt sich das Bild etwas anders dar: Es stellten mehr Cajon-Anbieter als im Vorjahr aus, teilweise wurden die Stände der etablierten gar größer. Es gab deutlich mehr Neuheiten und Literatur als je zuvor, mehr Programme und Shows sowie viele interessante Gespräche zur Marktlage, Positionierung und neuen Richtungen im Percussion-Segment.
Schlagwerk: Viele Neuheiten
Schlagwerk war wie im Vorjahr mit zwei Ständen vertreten. In der ringsum rumpelnden Halle 3.0 traf ich auf Matthias Philipzen und Martin Röttger, der just sein neues Lehrbuch Cajon Schule fertig hatte (Buch mit CD und DVD, 80 Seiten), das zur Messe im Paket mit H-Cajon und Tasche angeboten wurde. Über Hageshop.de ist das Set weiterhin für 199 Euro zu haben. Interessierte konnten sich die bekannten Schlagwerk-Modelle der LaPeru und 2inOne-Serie sowie das obligatorische Booster Set vorführen lassen. Mehr Zeit für Gespräche bot sich mit Anke Böttcher (Drum Circle Facilitator), Conny Sommer (Percussionist, Endorser) und Detlef Börgermann (Sales & Marketing) am 2ten Schlagwerk-Stand in der ruhigeren Halle 3.1. Hier stellte Schlagwerk außerdem seine ganze Palette aus: von Udus über Rahmentrommeln bis zur Cajonito, den neuen Shockblocks, dem inzwischen traditionellen Messe-Cajon (LaPeru mit Tineo-Schlagfläche) und dem LaPeru Neuzugang CP4019 (209 Euro) mit Cosmic Burl Schlagfläche für punchige Bässe und präsente Höhen. Ein echter Eyecatcher und brandneu im Schlagwerk Portfolio ist die Fineliner-Serie mit charakteristisch abgerundeter Sitzfläche und ledernem Sitzkissen mit Schaumstoffunterpolster. Der perfekt verarbeitete Buchenholzkorpus wird in einem besonderen Verfahren gefertigt (CLM: Cross Laminating and Moulding). Die Edelhölzer der Schlagflächen sind handselektiert und zeigen individuelle Muster. Ein Blick ins Innere offenbarte auch hier Neues: Gleich mehrere gedämpfte Snarespiralen in Kombination mit Glöckchen sorgen für eine sensible und knackige Ansprache. Hier hat man sich offenbar nicht nur in einigen Details von Pepote inspirieren lassen, sondern möchte gleichermaßen eine entsprechende Alternative aus deutscher Fertigung zur Jaleo und Estudio parat haben. Fürs erste werden die Varianten CP 604 „Mokka“ und CP605 „Morado“ angeboten. Beide sind ab sofort für 329 Euro im Handel.
Innovativ und mal ganz anders als alle anderen zeigte sich Schlagwerk bei der Effekt-Percussion: Conny Sommer führte spielerisch den neuen Sidekick vor. Eine klappernde Kiste, die per Klettverschluss links- oder rechts an jede Schlagwerk-Cajon andockt und mit der Ferse gespielt für klackende Akzente sorgt. Der Sidekick kann durch den Heckstick ergänzt werden, der seitlich eng anliegend bis zur Oberkante der Cajon reicht und sich gedämpft wie ungedämpft spielen lässt und damit weitere Möglichkeiten der Rhythmus-Unterstützung und Akzentuierung bietet.
Wem das noch nicht genügt, kann sich das neue Sizzle-Board ums Bein schnallen und mit Fingern, Nägeln, Besen oder was einem in den Sinn kommt bespielen. Eine simple, aber effektive Alternative zu Shakern bietet Schlagwerk mit dem Krix, ein Stäbchen mit Rasseln, das man einfach in den Schnürschuh schiebt. Ganz nebenher unterhielten wir uns auch über neue Lehrbücher zum Thema Cajon & Percussion. Über den Hage Verlag ist nun Martin Röttgers neues Werk erschienen, von Voggenreiter soll unter der ISBN 3802407644 das Taschenbuch „Cajon Basics“ von noch unbekanntem Autor erscheinen und viele andere Verlage haben sich des Themas angenommen und werden schon bald weitere Lehrbücher herausbringen. Eine der besten interaktiven Lehrwerke ist meiner Meinung nach Conny Sommers Cajon-DVD in der 2ten Auflage, die weiterhin gepflegt und erweitert werden wird – voraussichtlich 2010 wird es die 3te Auflage geben.
Sela: Viel Prominenz
Bei Markus Westenberger von Sela Instruments verweilte ob der wunderschönen und ausnahmslos hochwertigen Cajones nicht nur das Publikum, auch die Prominenz aus der Percussion- und Drum-Szene gab sich hier förmlich die Klinke in die Hand. Von Ramon Yslas (Christina Aguilera, Anastacia) über Kike Torres (Fanta4, Gipsy Kings) bis zum charismatischen Jorge Palomo. Der Funke sprang schnell über, wenn die drei ihre Späßchen machten und ab und an das ganze Können durchblitzen ließen. Willy von Wahan Drums stellte auch gleich das neue Torres Cajon Microphone System (TCM) zur Verfügung, ein weiteres Highlight der Musikmesse, mit dem man den Cajonsound indirekt und sehr einfach über ein Shure 91 Beta abnimmt und verstärkt. „Eine Woche Beschäftigung damit in meiner Werkstatt und das Ding passt perfekt zu den Sela-Kisten. Ein vielversprechendes System…“ ließ Markus Westenberger verlauten. Viel mehr muss man über Sela auch nicht loswerden. Hier gibt’s Individual-Cajones in Vollendung, stetig weiterentwickelt mit raffinierten Detail-Lösungen und immer wieder besonderen Design-Ideen.
Meinl: Viel für die Massen
Meinl zeigte wie Schlagwerk sein umfangreiches Programm im Dome und unterhielt die Zuschauer mit allerlei spontanen Performance-Einlagen. Vom Kind bis zum Greis – hier durfte jeder nach Herzenslust trommeln, was ihm unter die Finger kam. Leider war darunter Cajon-technisch nicht viel Innovatives. Neben dem im Vorjahr bereits gezeigten Trejon mit dreigeteilter Schlagfläche zählte das Turbo Cajon 209 €, Red Oak) mit schön schepperndem Sound, fettem Bass und prägnanten Clap-Ecken zur größten Neuerung im Cajon-Programm. Die Design-Series wurde vornehmlich um weitere Modelle im Drachen-, Piraten- und Flaggen-Design ergänzt. Meinl setzt bei den bekannten Serien mehr auf Äußerlichkeiten denn klangliche Weiterentwicklung und wendet sich mit breit gefächertem Angebot an den Massenmarkt. Daran ist nichts auszusetzen, denn Meinl ist weltweit ein bekannter Name, fehlt in keinem Musicstore und zählt im Percussion-Bereich mit umfangreichem Programm und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis zu den Marktführern. Erfrischend anders gegenüber dem üblichen Nylon-Schwarz fielen mal die Cajontaschen in Tigerplüsch und Military-Look aus: Die nützlichen Cajonbags fallen auf und sind ausreichend robust verarbeitet.
Pepote: Cajones mit Herz
Peter Hoffend (Drumport) und Jürgen Schuld (Percussionist, Endorser) begrüßten mich herzlich am Stand von Pepote und zeigten u.a. die Varianten der Jaleo-Color Serie, die gegenüber der 2008er Serie optisch wie klanglich optimiert wurde. Neben einer größeren Farbauswahl kommen mehr Snare-Spiralen zum Einsatz, die für crispere und zugleich etwas voluminösere Sounds sorgen. Die Estudio wird mit einer weiteren Schlagplatte im „Tiger-Finish“ angeboten. Neue Highlights im Programm sind die wahnsinnig leicht ansprechende Pepote Profesional (kost aber auch ne Kleinigkeit mehr) und das Individual-Flaggschiff, das nach Kundenwunsch und dem Klangtuning vom Meister höchstpersönlich gefertigt wird.
Für kleine Nachwuchs-Percussionisten und Spielkinder wie Jürgen und mich gibt es die „Mini-Jaleos“ für Kinder, auf denen eine kleine Messe-Session auf Knien für viel Heiterkeit beim Publikum sorgte. Klanglich kann man nur sagen: Die kleinen Pepotes klingen wie die großen … nur eben in klein. Leider war zu den Preisen und Verfügbarkeiten noch nichts zu erfahren.
Klanginitiative: Neue Richtungen mit dem Cube-Kit
Unterhaltsam ging es auch am Stand von Klanginitiative zu. Neben Einzel-Einlagen gab es regelmäßig Band-Vorführungen auf der Agora-Stage. Mein erster Blick fiel auf Markus "Marcito" Ostfeld, der an seinem Markenzeichen schnell zu erkennen war: Die weiße Schiebermütze. Er spielte gerade ein paar Grooves auf dem neuen Cube-Kit, einem kompletten Holzschlagzeug, das sich "... an Drummer und Percussionisten gleichermaßen wendet und mit Cymbals von Orion perfekt ergänzt wird.", so Joachim Kaminsky, Geschäftsführer von Klanginitiative.
Er zeigte mir das komplette Programm aus der Peruano, Pro, Pro Studio und Master Serie, die allesamt am markanten Schalloch-Schlitz zu erkennen sind. Auch das Darajon und die kompakte Snongo-Box waren zu sehen. Interessant für Bühne und Studio sind die bereits mit Grenzflächen-Mikros von AKG und XLR-Buchse versehenen Cajones. Ein kurzes Spiel auf einer verstärkten Cajon machte mir viel Spaß. Die Kiste klang sehr natürlich, mit schön crispen Sounds und trockenem Bass (soweit man das bei der Messe-Kulisse beurteilen kann). Eine Besonderheit ist das Top-Modell Master Pro Studio: Es arbeitet mit einem Zwei-Kammer-System für getrennten Bass und Snare, das ebenfalls von zwei selektierten AKG-Mics abgenommen wird.
Mit Willi Platzer entstand bereits ein erstes interaktives Lehrmittel zum erlernen des Cajon-Spiels. Da Willi derzeit privat mit Familienzuwachs eingespannt ist, wird es aktuell kein Update geben - aber ganz sicher kommt auch hier eine erweiterte Neuauflage.
Pearl, Sonor, Tycoon, Toca und weitere
Eine wirklich herbe Enttäuschung erlebte ich am Stand von Pearl. Mit großer Neugier und Freude machte ich mich über das breit ausgestellte Cajon her, das über Drehregler verschiedene Klangvarianten und –intensitäten erlauben soll. Ein Dreh an den Knöpfen auf der Frontplatte bewirkte allerdings nichts, denn es wurden nicht funktionsfähige Sample ausgestellt. Ein Blick ins Schallloch offenbarte mit Fiberglass verstärkte Seitenflächen, einen halbierten Snareteppich und den Grund, warum die Drehregler nichts bewirken konnten: Sie waren von innen ganz simpel mit Muttern verschraubt.
Auch bei Sonor gab es nichts Neues in Sachen Cajon. Wie eh und je bietet Sonor drei Cajon-Versionen für Klein und Groß an, die als Besonderheit mit einem Bambus-Teppich für den Schnarr-Effekt arbeiten.
Gemischte Gefühle machten sich bei Tycoon Percussion breit. Zum einen konnte ich mir das neue E-Cajon mit eingebautem Verstärker, Lautsprecher und Klinkenbuchse anschauen. Es soll in der Version TKS-E29 für 340 Euro, als TKO-E29 für 280 Euro angeboten werden. Die Idee ist nett, die Umsetzung – ganz ehrlich – einfach nur billig und das Geld nicht im entferntesten wert. Die Verarbeitung ist an allen Seiten bescheiden, der Klang selbst im Messerummel wenig überzeugend.
Einen wesentlich besseren Eindruck vermittelten die beiden „Round Back“ Cajones, die durch eine halbrunde Resonanzwand und ein seitliches Schallloch auffallen. Die Kisten tragen die Modell-Bezeichnung TKRB-29 (287 €) und TKRB35 (287 €) und zeigten sich besser verarbeitet und klanglich ausgereifter. Das kleinere Modell spielt sich angenehm und klingt recht ordentlich. Nach unten runden das Cajon TKZ-29 (218 €) und TKS-29 (247 €) das Portfolio ab.
Auch bei Toca Percussion gab es zwei Cajones mit sehr schönem Hochglanz-Finish zu sehen, die mein Interesse weckten. Über eine seitlich angebrachte Stellschraube auf einer Art Schienenführung soll man den Snare-Effekt an- und abstellen können. Dieser Mechanismus war allerdings so klapprig, dass Toca wohl selbst ein Einsehen hatte, dass man so etwas nicht gerade positiv aufnimmt. Etwas später waren die Cajones nicht mehr am Stand zu sehen.
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