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Wissenswertes
Das Interesse an einer Cajon ist geweckt, eine eigene Cajon soll her. Aber welche ist geeignet? Worauf sollte man beim Kauf achten, damit aus Trommellust kein Trommelfrust wird?
Es ist verständlich: Wer eine Cajon in Aktion erlebt hat, bekommt schnell den Wunsch, selbst so eine faszinierende Kiste zu besitzen und das Spiel darauf zu erlernen. Wer sich in einem Musikshop umschaut oder im Internet recherchiert bemerkt schnell, dass es diverse Anbieter, verschiedene Bauformen und Features gibt und dazu noch unterschiedliche Materialien und Preisklassen. Davon müsst ihr euch aber nicht verwirren lassen, denn es gibt 10 einfache Kriterien, um die Qualität einer Cajon zu beurteilen. Ungeachtet von Preis oder Anbieter.
Die üblichen Verdächtigen
Ob Musikhaus, Versender oder Online-Shop: In der Regel gibt es eine Auswahl an mehreren Cajon-Marken in unterschiedlichen Preisklassen, von preiswert bis teuer, zur Auswahl. Im Musikshop sind sehr häufig Cajones von Meinl und Schlagwerk anzutreffen, die gern mit einer "NoName-" bzw. Billigmarke abgerundet werden etwa Schalloch (Sub-Brand von Meinl), Sonor, Tycoon oder Millenium. Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Sonor, Tycoon und Millenium sind durchaus bekannte Marken die Qualitäts-Drums oder Percussion liefern. Das trifft derzeit aber nicht auf deren Preis: egal - Klang: entscheidend
Ich weiß ... jeder hat bei einer Neuanschaffung eine gewisse Preisvorstellung. Doch im Grunde weißt du doch auch, dass es um Instrumente geht und ein zu eng gewähltes Budget schränkt deine Spiel- und Klangmöglichkeiten ein. Der falsche, leider noch weit verbreitete Denkansatz ist: "Naja ... ich bin ja Anfänger, da brauch ich dann auch ein Anfänger-Instrument." Anfänger-Instrumente werden nur leider mit Billig-Angeboten gleichgesetzt. Jetzt mal ernsthaft: Kann ein Handwerker mit Billig-Werkzeug einen guten Job machen? Ist das Laufen in 30 Euro Synthetik-Schuhen ebenso leicht und bequem wie in einem für 80 Euro aus Leder mit flexibler Sohle?
Es geht nicht darum, dass teuer stets besser ist. Ich möchte nur dafür sensibilisieren, dass nicht "billig" der Maßstab sein sollte wenn es um Instrumente geht. Auch wenn du deine ersten, zögerlichen Gehversuche auf einer Cajon machst: Du hast von Beginn an bedeutend mehr Spaß und kommst schneller voran, wenn Qualität und Sound stimmen.
Ich möchte im Folgenden über Cajones sprechen, wie du sie fix und fertig im Musikladen oder Online-Shop kaufen kannst und dir zehn grundlegende Kiriterien an die Hand geben, die du dir bei der Kiste deiner Wahl genauer anschauen solltest, um länger Freude an deinem Instrument zu haben.
Cajon kaufen: 10 Qualitäts-Kriterien
Ein Cajon mag nach einer simplen Holzkiste ausschauen, doch es ist ein Instrument! Nach dem Kauf bereust du schnell, dass du folgende Kriterien nicht vorher bedacht hast. Nichts nervt z.B. mehr als ein ständig rutschendes Cajon wegen miserabler Füße oder eine schmerzende Hand, weil die Schlagplatte nicht ordentlich abgerundet ist.
- Korpus: fest u. stabil (meist aus mehrschichtigen Holz oder Vollholz)
- Sitzfläche: ausreichend groß, mit Sitzpad oder -kissen bequemer, evtl. angerauht
- Kanten: gut abgerundete Seitenkanten (bequemeres sitzen bei längeren Sessions)
- Schlagfläche: abgerundet und nicht übermäßig rauh! (schont die Hände)
- Schlagfläche oben: gut versenkte, keinesfalls vorstehende Schrauben (sonst: schmerzende Finger!)
- Standfüße: oft gummiert oder gummiertes Filz, rutschfest auf glatten Böden
- Verarbeitung: nirgendwo stehen Kanten über oder zeigen sich Risse im Holz
- Klangtuning: Bass- und/oder Snare-Effekt beeinflussbar?
- Schallloch: abgerundete Kanten, groß genug, um bei Bedarf zu dämpfen und zu mikrofonieren?
- Klang: Sounds wie gewünscht? Keine störenden Geräusche?
Achte auf diese Kriterien, denn damit unterscheidest du tendentiellen Ramsch von Brauchbarem. Fahre zum Beispiel mit den Handinnenseiten schräg über die oberen Kanten. Es muss sich angenehm und rund anfühlen. Nichts darf hier kratzen, pieken oder haken. Die oben genannten 10 Kriterien erläutere ich weiter unten noch einmal im Detail mit entsprechenden Tipps & Beispielen.
Sitzfläche: Schau dir die Sitzfläche an: Sie sollte im Gegensatz zum Rest der Cajon nicht absolut glatt sein. Warum? Weil du auf der Cajon sitzt und diese zum Spiel und bequemerem Sitzen vorn leicht angehoben wird. Du kippelst also auf dem Ding - und rutschst je nach Hosenmaterial hin und her, wenn die Sitzfläche nicht wenigstens angerauht ist oder Vertiefungen aufweist. Für mehr Bequemlichkeit sorgt ein eingearbeitetes Sitzpad wie bei einigen Meinl-Cajones oder ein gepolstertes Sitzkissen. Und damit meine ich kein glattes Kunstleder, wie ich es mal auf einer Sonor-Cajon gesehen habe! Geeignet ist gummiertes Material, Filz oder Moosgummi.
Anfänger sind in der Sitzposition, dem Ankippen der Cajon und den richtigen Anschlagtechniken noch ungeübt und insgesamt "wackelig". Daher unterstützen die oben genannten Punkte den Neuling. Wie Oliver Böttger von dog´s Cajones richtig anmerkt, kennt man bei den ursprünglichen Cajones keine angerauhten oder gepolsterten Sitzflächen. Wer die richtige Haltung raushat und das Gewicht richtig verlagert, rutscht auch auf glatten Flächen nicht mehr und bekommt keine Rückenprobleme. Es gibt übrigens auch Anbieter, die die Sitzproblematik anders lösen: Sela baut z.B. Cajones mit angeschrägter Spielfläche, so dass ein Ankippen der Cajones gar nicht nötig ist. Valter Percussion baut Cajones mit einer Art Sattel, die ein entspanntes Spiel und rückenschonendes Sitzen ermöglichen, von Schlagwerk gibt es mit dem Cajon-Ergo Adapter eine universelle Lösung für fast jedes Cajon.
Kanten: Die Seitenkanten sollten abgerundet, zumindest nicht scharfkantig sein und nicht die Unterschenkel eindrücken. Ist das der Fall, ist das Cajon entweder zu hoch (die Fersen der Füße sollten bei angekippter Cajon problemlos auf dem Boden stehen, während Unter- und Oberschenkel einen rechten Winkel bilden) oder die Kanten eben nicht optimal für dich angepasst. Werden die Seitenteile ebenfalls bespielt, kommt der Ausformung der Kanten bzw. dem Radius der Rundung eine höhere Bedeutung zu. Die Kanten sollten Schläge, die von oben ausgeführt werden in der Bewegung unterstützen und keinesfalls hinderlich sein. Eine pauschal halbrunde Kante ist also nicht für jeden geeignet. Derlei Detail-Anpassungen sind ein großer Vorteil von Custom-Built Cajones.
Schlagfläche: Das ist quasi dein ständiger Arbeitsbereich dem du besondere Aufmerksamkeit schenken solltest. Eine gute Schlagfläche vermittelt ein angenehmes Spielgefühl. Sie ist nicht übermäßig rauh und an der Oberkante abgerundet, um die Aufprall- und Abrollbewegungen von Handwurzel und Handinnenseiten zu unterstützen und nicht dem entgegenzuwirken. Üblicherweise ist das obere Drittel von Cajones verschraubt - und die obere Schraubenleiste ermöglicht ein Feintuning des Klangs. Es ist insbesondere in diesem Randbereich wichtig, dass die Schrauben tief genug versenkt sind. Es kann äußerst schmerzhaft werden oder gar zu Verletzungen führen, wenn du bei intensivem Spiel immer wieder die Schraubenköpfe triffst oder dich daran reißt.
Holz ist ein natürliches Material und arbeitet. Unregelmäßige Maserungen, Flecken und auch leichte Wellungen sind normal. Ist die Schlagfläche aber beim schrägen Blick von der Seite eher wie ein Wellblechdach ausgebeult (im oberen Drittel darf die Schlagfläche etwas vom Korpus abstehen, damit Klicksounds überhaupt machbar sind!) oder zeigt Risse, zeugt das von einer schlechten Lagerung bzw. der Verwendung von nicht optimalem Klangholz. Meide solche Kisten, gerade wenn es Auswahl gibt. Cajones sollten gerade am Anfang intensiv bespielt werden, um die Schlagfläche weich zu machen und so überhaupt erst den beabsichtigten Sound zu erzeugen. Jetzt schon sichtbare Risse werden nicht verschwinden.
Rückseite, Schallloch: Auf der Rückseite einer Cajon liegt das Schallloch. Zum Tragen hebst du die Kiste häufig hier an. Ist das Schallloch nicht gut geschliffen und ringsum glatt, kannst du dich aufreiben oder reißen. Blicke auch in das Innere (d)einer Cajon: Du siehst nicht nur, ob das Modell mit einem Snare-Teppich, -spiralen oder Gitarrensaiten ausgestattet ist (letztere sollten über Stellschrauben die Variation der Spannung erlauben) sondern auch, wie sorgfältig die Kiste geschliffen und zusammengeleimt wurde. Es schadet dem Klang der Cajon nicht, wenn du etwas Holzstaub, Lack- oder Klebereste erblickst. Das ist ein Zeichen für Handarbeit und lässt sich schwer komplett aus einer Cajon entfernen. Doch es wurde ganz sicher lieblos zusammengeschustert und gepfuscht wenn du dicke, eingetrocknete Klebenasen und Holzspäne oder -splitter vorfindest. Womöglich gab es einen Transportschaden. Nicht wenige Kisten kommen aus Spanien, Italien oder Asien und haben eine lange Reise und einige Umladungen und Transportwege hinter sich.
Übrigens: Beim Blick in den "Innenraum" erkennst du auch schnell, aus welchem Holz und welcher Qualität Schlagplatte und Korpus sind, auch wenn diese außen furniert oder lackiert sind: die Innenseiten einer Cajon sind häufig unbehandelt.
Klang: Natürlich geht es um ein Musik-Instrument. Der Klang ist schlussendlich das Kaufargument Nummer 1. Zugleich ist aber auch das Hörempfinden sehr individuell, ganz zu schweigen von den Musikvorlieben. Zwei Dinge solltest du dir bewusst machen
- Neue Cajones müssen wie jedes Instrument eingespielt werden
- Die Raumverhältnisse beeinflussen den Sound
Punkt 1 ist selbsterklärend und wurde oben im Text bereits angesprochen.
Punkt 2 ist an einem Beispiel schnell zu verstehen: Spiele in einem Musikladen mit Teppich und vielen Instrumenten drumherum auf einer Cajon - und dann stell dir vor, wie dasselbe Cajon klingt, wenn du daheim in der gefliesten Küche mit glatten Möbelflächen spielst. Genau: Vollkommen anders! Letztenendes erzeugst du Schalldruck und Schallwellen. Diese breiten sich je nach Raumbeschaffenheit unterschiedlich schnell aus, werden von bestimmten Materialien gedämpft, verstärkt oder von diesen reflektiert.
Wenn du einen Schlagzeug-Ersatz suchst oder mehr rockige oder HipHop-Stücke spielen möchtest, wird dir eine klare Trennung von Bass und Snare wichtig sein. Es gibt andere Stilrichtungen, in denen gerade das nicht gewünscht ist. Das ist eine persönliche Vorliebe und je nach Cajon-Modell unterschiedlich umgesetzt. Es gibt auch universellere Cajon-Varianten wie die 2inOne´s von Schlagwerk, Meinls Bass-Cajones oder einige Sela- und Tycoon-Modelle, bei denen du den Snare-Effekt an- und abschalten kannst.
In jedem Fall sollten die Sounds einer Cajon "gewollt" klingen und nicht etwa so, das irgendwie etwas mitschnarrt oder summt. Wenn du die Wunsch-Cajones dynamisch bespielst, mal laut, mal leise, mal mit der ganzen Handfläche und mal nur mit den Fingerkuppen oder den vorderen Fingerteilen findest du schnell raus, ob das Cajon der Wahl eine feine Ansprache hat, voluminöse Sounds mit langem Sustain produziert oder eher trockene, crashige Sounds. In jedem Fall darf es sich nie so anhören, als ob da was mitklingt, was eigentlich nicht mitklingen sollte. So hatte ich z.B. mal eine Cajon von Rhytm Help im Test, die eine ungeeignete Aufhängung für die Snareseiten verwendete. Insbesondere bei leisem Spiel war stets ein nerviges "ploing"zu hören, das da nicht hingehörte.




