Was gibt´s hier?
| 01. Januar 2010
Die Sitzkiste hat dein Interesse geweckt und du willst wissen, wie du das Cajon spielen lernen kannst. Prima - genau dafür habe ich 10 wichtige Tipps zusammengestellt, damit du direkt loslegen kannst. Wie bei allen Instrumenten gibt es ein paar Grundregeln und Erfahrungswerte, die ich weitergeben möchte, damit du frustrierende Anfänger-Fehler vermeidest und mit Spaß auf deinem Cajon trommeln kannst.
10 goldene Tipps für das Cajonspiel
TIPP 1) Spiele nie kalt
Das Cajon wird mit den Händen bespielt. Davon hast du nur zwei! Sind deine Finger kalt, nicht geschmeidig und du haust direkt drauf los, sind Verletzungen vorprogrammiert. Haut reisst,es schmerzt und du kannst längere Zeit nicht mehr spielen, evtl. schränkt es dich sogar bei der Arbeit ein.
Tu dir das nicht an - wärm dich vorher auf, mach für 5 bis 10 Minuten Body-Percussion und trommel z.B. auf deinen Oberschenkeln ein paar Freestyle-Grooves.
TIPP 2) Setz dich richtig drauf
Wenn du falsch auf dem Cajon sitzt, kann dir schon nach kurzer Zeit der Rücken schmerzen und dein Stand ist unsicher. Beides lässt sich einfach vermeiden: Setz dich wie auf einen Hocker, den Hintern ganz auf die Sitzfläche. Die Schlagplatte befindet sich vorn. Spreiz etwas die Beine, gerade so, dass deine Knie einen rechten Winkel bilden und du mit beiden Händen dazwischen die Frontplatte erreichst. Den Rücken lässt du GERADE! Keinen Katzenbuckel bitte.
Wenn du die Arme locker nach unten hängen lässt, sollten die Hände kaum tiefer als das obere Drittel der Schlagfläche sein. Mit ausgestreckten Fingern erreichst du maximal die obere Hälfte. Ein Cajon wird nur im oberen Drittel bespielt - wer sich wie ein Affe tiefer beugt, kriegts im Kreuz und der Sound wird nicht besser, sondern schlechter.
Viele Cajonspieler kippen das Cajon vorn leicht an. Damit kommt die Schlagfläche einen Stück höher und ihr sitzt mit leicht vorgeschobenem Becken rückenschonender. Auch die Hände erreichen die Schlagplatte so ohne ein anwinkeln der Handgelenke.
TIPP 3) Füße flach auf dem Boden
Ob du das Cajon ankippst oder nicht: Die Füße bleiben flach auf dem Boden. Das verleiht dir stets einen sicheren Stand. Außerdem brauchst du einen Fuß immer als Taktfuß. Wenn du so willst, dein Metronom um das Groove-Tempo zu halten. Ob du dafür die Fußspitze hebst, den Hacken oder abwechselnd ist allein deine Sache. Aber gewöhne dir an, einen - und IMMER diesen einen als Taktfuß zu nutzen.
TIPP 4) Sitzkissen hilft
Die Kisten bestehen nunmal rundum aus Holz und das ist für Leute mit etwas weniger Sitzfleisch auf Dauer dennoch "hart". Nehmt euch ein Sitzpad aus dickem Moosgummi oder Leder. Viele Cajonanbieter legen sowas bereits ihren Cajones bei. Es gibt sie aber auch separat zu kaufen. Möglichst dick ist gut.
TIPP 5) Jede Hand hat ihre Zone
Gewöhne dir an, dass die Hände in ihrer Zone bleiben. Am Anfang ist man beim abwechselnden Handspiel geneigt, in die Mitte der Schlagplatte zu zielen. Unnütz! Jede Hand hat ihre Hälfte und da gehört sie auch hin. Alle Schläge lassen sich präzise und mit dem vollen Sound spielen, wenn jede Hand in Ihrer Schlagzone bleibt. Die linke Hand bleibt im linken oberen Drittel - die Rechte im rechten oberen Drittel. Keine abgespreizten Daumen! Wenn ihr das mal demonstrativ macht, merkt ihr, wie sehr ihr euch selbst damit behindert.
TIPP 6) Weg mit dem Schmuck
Ringe, Armreife, etc sind modisch und schick. Beim Cajon spielen wirken sie aber störend. Leg allen Schmuck ab bevor du das Holz knetest - du tust deinen Fingern und dem mitunter teuren Instrument einen großen Gefallen.
TIPP 7) Langsames Spiel ist sexy
Ich weiß, die Leidenschaft ... aber zügele dein Temperament ein wenig und versuche nicht ständig schneller und schneller zu spielen. Es endet in einem Sound-Gematsche ohne jegliche Präzision. Schnell spielen ist Lernstufe 3 oder 4, wenn du da noch nicht bist, spiel die Grooves laaaangsam. Die sind ebenso sexy und du hast genügend Zeit, um a) korrekte Schläge auszuführen b) Beats längere Zeit stabil im Takt zu spielen. Im Tempo zu bleiben und die Schläge korrekt auszuführen ist in Lernstufe 1 und 2 das Ziel! Ein Bass soll kackig sein und ein Ton giftig wie eine Snare daherkommen.
TIPP 8) Schneller heisst nicht lauter
Jemand der schnell spielt und dabei immer lauter wird entlarvt sich selbst als ungeübter Spieler. Schnell spielen heisst nicht, dass du lauter werden sollst. Das passiert genau dann, wenn du mangels Technik und Präzision bei steigendem Tempo die Wege immer größer werden und du mit blosser Kraft auszugleichen versuchst. Fahr ein, zwei Speed-Stufen zurück und übe, bis es locker sitzt. Schneller geht dann eben später erst ... aber dann hast du es auch wirklich drauf.
TIPP 9) Beide Hände trainieren
Das Cajonspiel lebt davon, dass beide Hände gleich gut und präzise schlagen. Naturgemäß ist man mit einer einfach besser und gibt dieser den Vorzug. Bei vielen Grooves fällt das zu Beginn nicht weiter ins Gewicht, dass ihr zB. immer eine Bass-Hand nutzt und die andere für Ton und Tipps. Aber es kommt der Zeitpunkt, da müsst ihr auch mit der anderen Hand exakt den gleichen Bass oder Ton schlagen können. Darum solltet ihr immer wieder üben, mit beiden Händen alle Schläge mit identischer Präzision und Lautstärke zu spielen. Das dauert lange ... bin ich selbst noch nicht drüber weg ... aber es lohnt jeder kleine Fortschritt - und wie oben erwähnt: Langsam ist sexy.
TIPP 10) Hol dir Hilfe, spiel mit anderen
Allein kommt man schon recht weit und hat seinen Spaß. Noch mehr Spaß macht es aber, wenn du dir professionelle Hilfe holst in Form von Lehrbüchern, DVDs, Cajon Noten und einen Workshop zum Cajon spielen besuchst oder Einzel-Unterricht bei einem Lehrer nimmst. Und: Zusammen musizieren macht erst so richtig Laune! Ob nun im Percussion-Ensemble oder einer Band mit Bass, Gitarren und Gesang. Das gemeinsame Spiel macht Freude und bringt dich musikalisch gesehen weit weit voran.
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Die Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Natürlich gibt es noch einiges mehr zu erzählen und vermitteln, was ich in meinen Workshops oder hier im Forum auch gern mache ,-) Aber beim Erlernen eines eines Instrumentes finde ich nichts frustrierender, als erstmal Verhaltensregeln, Noten, Pflegetipps und sonstwas zu lernen, bevor überhaupt mal der erste Ton zu hören ist.
Das ist ja grad das Schöne an Trommeln und ganz besonders dem Cajon: Du brauchst nur die Kiste, deine Hände - der Rest kommt intuitiv. Gesprochen wird´s übrigens "ka-chon". Der Begriff stammt aus dem spanischen und bedeutet übersetzt "Kiste". So einfach ist das!




