Schlagwerk CP404Schlagwerk schuf mit der La Peru quasi den Standard für moderne Cajones. Auch das 2inOne Konzept der Schlagwerk CP404 im Retro-Look ist seit 2005 erfolgreich am Markt. Es kostet wenig und ist durch einen herausnehmbaren Snare-Teppich vielseitig einsetzbar. Grund genug, das Cajon ausgiebig zu testen und Optik, Verarbeitung und Sound genauer unter die Lupe zu nehmen.

Schlagwerk blickt auf eine lange Tradition im Percussion-Bau zurück und entwickelte in den 90er Jahren die moderne Form des Cajons, wie es in Europa mit dem "La Peru" Modell eine weite Verbreitung gefunden hat. Viel Erfahrung und Experimentiergeist also, der sich nicht nur im Gesamt-Angebot der Manufaktur aus Gingen/Fils zeigt sondern auch an der 2005 eingeführten "2inOne" Cajon-Serie, die durch die Verwendung eines Snare-Teppich auf einer herausnehmbaren Traverse eine flexible Kombination aus Percussion-Instrument und Drumset darstellt und sich an Einsteiger wie Fortgeschrittene wendet. Dazu zählt das hier besprochene Schlagwerk CP404 2inOne, welches mit einem moderaten Preis von knapp 150 Euro lockt.

Gut verarbeitet, interessanter Look

Der Korpus des Cajon misst 29 x 29,5 x 47,5 cm (BTH) und besteht aus 8 Lagen hellem Birkenholz. Mit den sehr breiten, runden Standfüßen aus gummiertem Filz (getackert) ist die angerauhte Sitzfläche 48,5 cm hoch. Die Schlagfläche besteht aus Buche, ist 3mm dick, teilweise bedruckt und mit einem angenehm glatten Finish (dünne Kunststoffschicht) überzogen. Die Schlagplatte ist an allen Ecken gut abgerundet, unten fest mit dem Korpus verleimt und im oberen Drittel verschraubt. Die Oberkante hat fünf Stellschrauben zur Justierung der Clap-Sounds an den Ecken- die mittlere Schraube sollte nie gelöst werden, sonst lässt der Bass nach.

Die Seitenflächen sind jeweils mit dem Schlagwerk-Logo gebrandet und unten bedruckt. Der Look orientiert sich an den alten Transport- und Verschiffungskisten - den Ursprüngen der Cajones - und hebt die Kiste optisch hervor. Das rückwärtige Schallloch der Resonanzplatte ist kreisrund mit 13 cm Durchmesser und rundherum sauber geschliffen. Das Schallloch sitzt leicht erhöht: Der Abstand zum Schallloch-Rand zur Oberkante beträgt 13,5 cm, zur Unterkante sind es 22 cm.

An der Verarbeitung gibt es nichts zu bemängeln. Die Qualität ist ringsum gut, das Cajon fässt sich mit einem guten Finish und ausreichendem Schliff aller Kanten auf jeder Seite angenehm an. Allenfalls die gummierten Standfüße sind auf glatten Fliesen nicht absolut rutschfest.

Ins Herz geschaut

Beim Blick ins Schallloch fällt einem sofort die Holztraverse auf, auf der zwei Snare-Teppiche mit je 20 Spiralen gegen die Schlagfläche drücken. Mit einem Gummiband, das an einem Haken an der Decke befestigt wird, ist die Spannung der Teppiche stets gleichmäßig. Wer den Snare-Effekt abstellen möchte, kann die Traverse mit einem Griff drehen und so den rein percussiven Sound der CP404 genießen. Praktisch, wenngleich die lose stehenden Spiralen bei mehr Schalldruck und impulsivem Spiel etwas zu hören sind. Am besten, man nimmt die Traverse ganz raus und genießt den rein percussiven, teils an Bongos erinnernden Sound. Schlagwerk hat den Mechanismus übrigens als Gebrauchsmuster schützen lassen.

Auffällig ist an der Konstruktion, dass hier keine komplette Rahmen-Bauweise angewendet wurde. Leisten kommen lediglich im oberen Drittel für die Verschraubung der Schlagfläche zum Einsatz. Der geleimte untere Teil ist direkt mit den Korpuskanten verbunden, was mehr Raum für Schwingungen gibt und somit einen tieferen Bass ermöglicht.

Die Kombination aus Birken-Korpus und Buchenholz-Schlagfläche sorgt für eine warme Klangfärbung der CP404. Der Bass tönt voll, recht tief und räumlich. Je nach Geschmack etwas zuviel des Guten. Ich habe die Kiste mit Decken gedämmt und erreiche damit einen direkten, knackigeren Bass, der nicht so lange "brummt". Die Schlagfläche ist relativ weich und ihr könnt fast sehen, wie der Bass wie bei einer Lautsprechermembran schwngt.

Die Snare lässt sich bei mittlerer Ansprache recht gut kontrollieren, kommt relativ kurz und präzise, dürfte aber etwas mehr Biss haben. Auch die Clap-Sounds der bespielten Ecken sind etwas zurückhaltender. Selbst mit gelockerter Frontplatte überwiegt tendenziell der Schnarrsound.

Im gesamten sind Bass und Snare sauber voneinander getrennt. Der Sound tendiert mit Snare-Traverse in Richtung Drumkit, ohne anliegende Snare-Traverse gibt es percussive Klänge. Mit der Schlagwerk Kiste lassen sich ausreichend viele Soundvariationen und Glissandos spielen (Dämpfung mit dem Fuss und Veränderung der Lage auf der Schlagplatte). Der Spagat aus Percussion-Instrument und Drumkit ist also gut gelungen.

Im Vergleich hat die Pepote Jaleo (etwa 160 Euro) z.B einen wesentlich höher tönenden Bass. Dafür spricht sie sensibler an und der Snare-Sound raschelt durch die verwendeten Spiralen mehr, womit vor allem spanische und lateinamerikanische Grooves gut gelingen.

Die Bildergalerie zeigt Details der Schlagwerk Cajon CP404 2inOne. Zum Vergleich ist die Pepote Jaleo (Modell 2008) zu sehen, eine interessante Alternative aus der gleichen Preisklasse. Die Aufnahmen entstanden mit einer Fuji Finepix S8900 Bridge-Cam bei Kunst- und Tageslicht.

Cajonmania Fazit:

Cajonmania Award SilberSchlagwerk bietet mit der CP404 ein gut verarbeitetes und durch das 2inOne-Konzept flexibel einsetzbares Universal-Cajon zum Einstiegspreis. Der Bass tönt warm und tief, die Snare bei mittlerer Ansprache durchaus schlagzeugähnlich, also ideal für alle, die auf der Suche nach einem kleinen Drumkit sind bzw von einem solchen umsteigen.

mehr Infos: Schlagwerk

Preis: 149 Euro (Okt 08)
Bezug: Musikläden, Music-Stores