Unter eigenem Namen bietet das Musikhaus Korn das Cajon CA-50 für 69 Euro inklusive Cajonbag an. Der Musikshop verspricht einfachste Bedienung und qualitativ hochwertige Verarbeitung für Korn Instrumente. Cajonmania hat das Kistchen geordert und getestet und verrät, warum man sich mit Qualitätsversprechen lieber nicht so weit aus dem Fenster lehnen sollte, wenn besagte weit hergeholt ist.

Das Musikhaus Korn ist seit Jahrzehnten im Geschäft und bietet unter einem Dach Klaviere, Drums, Gitarren, Bässe, Percussion, Zubehör und einiges mehr. Zum Angebot zählen auch Musikinstrumente unter eigenem Markennamen wie das KORN CA-50 Cajon, das im Onlineshop für 69 Euro (ehemals 149 Euro) zusammen mit einem gepolsterten Cajonbag angeboten wird.

Die Beschreibungen zu dem Angebot fallen recht dürftig aus:

  • 4 rutschfeste Füße
  • inkl. gepolsterte Tragetasche
  • Cajon - Holz
  • Dim. (HxBxL) 48 x 29 x 30,5 cm
  • interner Snare-Effekt

ist auf den Angebotsseiten des Shops zu lesen. Nun denn, die Fotos vermitteln einen brauchbaren Eindruck, eine Tasche ist dabei, Versandkosten entfallen bei Vorkasse und bei Onlinekäufen gibt es ein 14-tägiges Widerrufs- oder Rückgaberecht und eine (gesetzlich geregelte) 30-Tage Geld-zurück-Garantie mit der das Musikhaus wirbt. Da kann der geneigte Cajon-Käufer doch eigentlich nichts falsch machen. Günstiges Komplett-Set von einem Fachhandel, der sich auskennt und Qualitäts- sowie Service-Garantien bietet - dasbleibt beim Kunden hängen und so hat sich auch Cajonmania einmal wie ein normaler Endkunde verhalten, brav bestellt, bezahlt ... und auf den Paketboten gewartet.

Die Lieferung erfolgte prompt in einem stabilen Karton. Darin befand sich zuoberst der Lieferschein und die Rechnung, darunter die Cajontasche mit dem Kistchen darin. So flauschig verpackt ist das Paket recht sicher gegen Transportschäden.

Der erste Eindruck: Gut
Zunächst muss man die Cajon aus der mitgelieferten Tasche pellen. Die Nähte und der Reißverschluss sind einfach ausgeführt, der Trageriemen so kurz, dass ihr das Bag nicht schultern könnt, sondern wie eine Sporttasche am ausgestreckten Arm tragen. Nun denn - mehr ist auch nicht zu erwarten. Das Bag trägt zwar ein aufgesticktes "Korn Guitars-" - Logo, gibt´s aber ebenso von Stagg für 14,90 Euro.

Auf den ersten Blick macht die CA-50 einen positiven Eindruck: Das Cajon ist schwer, was vor allem am stabilen Korpus mit oben abgeschrägten Kanten liegt. Die Schlagplatte ist umlaufend geschliffen, die Filzfüße auf der Unterseite sind schön dick und groß, wenn auch nicht gummiert. Ein Blick ins Schallloch offenbart zwei stimmbare Schnarrseiten und einen Glöckchenkranz. Die Resonanzplatte ist um das Schallloch herum mit Leisten verstärkt. Die Kiste wirkt solide - und ist an sich ein Cajon von Stagg, dem Korn lediglich seine schief aufgebrachten Aufkleber verpasst hat.

Der zweite Eindruck: Befriedigend
Beim genaueren Hinschauen zeigen sich deutliche Qualitätsmängel: Die Schlagplatte ist in der oberen Hälfte ohne ein Ansenken der Schraublöcher an den Korpus geknarzt, die Schrauben selbst sind zu klein und nicht gerade und bündig eingedreht. Die Verschraubungen für die Clap-Corner liegen so weit außen, dass ich bereits jetzt Zweifel habe, ob man da was einstellen kann. Generell sorgt diese Art der Verschraubung - zusammen mit der etwas zu dünnen Schlagplatte (2 mm) - früher oder später für Rissbildungen. Da diese in der unteren Hälfte verleimt ist, macht Nachbesserungen schwierig. Die Verleimungen, gerade an den oberen Kanten der Sitzfläche, sind unsauber ausgeführt, das Schallloch ebenso unsauber geschliffen.

Draufgesetzt, losgespielt: Scheußlich!
Bei einem Cajon-Komplettset erwartet man eigentlich, dass man die Kiste auspackt, sich draufsetzt und losspielt. Genau das habe ich gemacht und war sofort enttäuscht. Die CA-50 ist kein bisschen voreingestellt und klingt schlichtweg scheußlich. Die vollkommen losen Schnarrseiten lassen jeden Bass vermissen, die Snare plätschert vor sich hin. Ist das die im Shop angepriesene Instrumenten-Qualität eines Fachhandels? Manch Cajon-Neuling denkt vielleicht eben das und spielt munter weiter - andere haben den Imbusschlüssel im Schallloch stecken sehen und werden die Seiten wie von der Gitarre bekannt fest drehen, bis es knarzt. Das könnt ihr nicht machen! Ein einfaches Beilege-Blatt mit Informationen zum Instrument und dem Umgang ist nicht zuviel verlangt und vermeidet grobe Anfänger-Schnitzer.

Sound mit Klangtuning
Ich müsste es ja besser wissen und habe die Snare-Spannung zunächst erhöht, bis dann auch mal etwas Bassanteil zu hören war. Der dröhnt wiederum so laut mit langem Sustain, dass ich eine Schaumstoffmatte in den Korpus gelegt habe. Dann wollte ich mir die Dämpfung mit dem Klettband anschauen ... und hatte prompt das ganze Klettband-Gestückele in der Hand. So ein Mist: Das Band ist billig mit Heißkleber aufgebracht und reißt ab, sowie man das obere Band lösen mag. Klettband klettet nunmal gut. Ich habs beiseite gelegt und mit breitem Tape selber abgedämpft. Das geht ohnehin einfacher und besser.

Besser klingt jetzt auch die CA-50: Der Bass dröhnt tief und voluminös. Für Rock, Pop, Blues und HipHop genau das Richtige und durchaus beeindruckend. Wer mehr auf Latino-Sound steht, dem ist der Bassanteil vermutlich zu prägnant. Je nach Schlaghärte hört ihr dazu die Glöckchen mittönen.

Die Snare klingt zu holzig und kommt leider nicht sehr crisp rüber, da könnt ihr noch so lang an der Seitenspannung drehen. Entweder ihr verliert Bass und erhaltet eine Snare, die auch mal danach klingt - oder ihr habt einen fetten Bass, dafür weniger Attack auf der Snare.  Der richtige Kompromiss lässt sich nicht justieren, was unter anderem auch daran liegt, dass (wie eingangs schon befürchtet) sich die Clap-Sounds über die viel zu weit außen liegenden Verschraubungen der Oberkanten nicht merklich regulieren lassen. Das nimmt zusätzliche Klangvarianten und Akkzente. Fingerrolls kommen gar nicht zur Geltung. Spielgefühl und -spaß kommt so absolut nicht auf.

Soundvergleich: KORN Cajon CA-50
(aufgenommen mit Tascam DR-07, MP3, 256kbit, 44,1 kHz)

Cajonmania Testfazit:
Das Cajon CA-50 aus dem Musikhaus Korn bietet einen fetten Bass und irgendwie Snare mit holzigem Akkzent - enttäuschend!. Zu der allenfalls befriedigenden Verarbeitung kommen Konstruktionsmängel hinzu, durch die sich der Sound kaum zum positiven beeinflussen lässt. Von einer Cajon aus einem Musikkalienhandel darf man - unabhängig vom Preis - mehr erwarten. Hier eine schlechte Fremdmarke (Stagg) unter eigenem Namen als qualitativ hochwertig anzupreisen ist für das Vertrauen des Kunden in die Produktkompetenz nicht förderlich. Dann spart euch Billig-Bundles und stellt die Kiste wenigstens halbwegs klingend ein.

Was mich am meisten ärgert: Das Cajon könnte bei dem stabilen Korpus richtig gut klingen, würde Stagg auf zwei "wartungsfreie" Snare-Teppiche setzen, eine Schlagplatte mit 3 mm Stärke komplett verschrauben und die Oberkante mit angesenkten Verschraubungen Clap-fähig machen. Dann sieht man gar über die Verarbeitungsmängel hinweg und hat wenigstens eine preiswerte Klopperkiste mit gutem Sound.  Auch bei Musik Steinbach und weiteren Fachhändlern werden übrigens solche Cajon-Bundle und Billig-Angebote von Stagg gemacht. Meine ehrliche Meinung dazu: Wer 50 bis 70 Euro ausgeben mag, baut sich seine Cajon selbst oder nimmt einen Cajon-Bausatz. Wer ein Instrument haben möchte, sollte etwas sparen und sich nach Beratung und ausführlichem Testspiel im Laden eine Marken-Cajon kaufen.

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